Stefan Weiler
„Die Bedeutung mancher Werte kann man erst so richtig schätzen, wenn man sie erstmals vermisst“, sinniert der 19-jährige Stefan Weiler aus Hagenbach, charakterisiert damit sein Verhältnis zur Musik und beschreibt die Initialzündung für seinen Berufswunsch Musiker zu werden“. Eigentlich ist Stefan inmitten von klassischer Musik aufgewachsen, Beethoven und Liszt erklingen täglich viele Stunden durch‘s Haus, „während der Schwangerschaft saß ich schon mit am Klavier und mit der Muttermilch gab es Bach und Brahms“, witzelt er, denn seine Mutter Ok-Young You ist eine bekannte Pianistin und Lehrerin an der Universität Koblenz-Landau, und Vater Kurt Weiler ist Musikpädagoge. Erst während eines Schüleraustausches vor zwei Jahren im Mittleren Westen der USA, umgeben von Country-Musik, fühlte er plötzlich einen tiefen Verlust, „mir fehlte die klassische Musik wie die Luft zum Atmen“. Seitdem weiß Stefan, was ihn glücklich macht, „Musik ist wie eine Droge ohne Nebenwirkungen“. 

Gerade hat er am Helmholtz-Gymnasium in Karlsruhe Abitur gemacht, und von seinen Interessen würden ihm viele Berufsrichtungen offen stehen. Physik, Archäologie oder Schriftsteller waren mal im Gespräch, doch jetzt ist klar, „Klavier, Komposition, Dirigat, Musikwissenschaften, am liebsten in Stuttgart“. Auch wenn sich seine Eltern über diesen direkten und erfolgversprechenden Weg hin zur Musik freuen, wissen sie, es wird ein steiniger Weg werden. Schon deshalb haben sie Klein-Stefan niemals „aufs Klavier getrimmt“, auch wenn er schon im Kinderwagen Konzerte besuchte. Es gab für ihn selbstverständlich auch die elektrische Eisenbahn, die Lego-Bausätze, Stefan probierte sich am Chemie-Experimentierkasten, beim Oregami-Falten oder beim Flöte spielen. Doch inzwischen ist tägliches Üben am Flügel die wichtigste Zeit und Mutter Ok-Young die beste Lehrerin und Mentorin, „auch wenn wir manchmal heftig diskutieren müssen“, lachen Beide. Zusätzlich nimmt Stefan Musikunterricht bei  Professor Felix Gottlieb in Freiburg,  schließlich steht im Juni der Bundesentscheid für „Jugend musiziert“ an.

Souverän gewonnen hat er den Landesentscheid in Mainz im April, und im Mai auch den renommierten internationalen „Anemos-Wettbewerb“ in Rom. Zum Vortrag kommen dieses Jahr die Paganini-Etüde A-Moll von Liszt, von Beethoven die Klaviersonate C-Dur und von Prokofiev Opus 4, die „Obsession diabolique“. „Schwere Stücke sind verlangt, und es reizt mich, auswendig zu spielen, Liszt machte dies auch, es fördert die Merkfähigkeit“, erzählt der junge Pianist. Packend sind solche Wettbewerbe für ihn, weil er mit einem Ziel vor Augen den Ansporn zum Üben spürt, „und beim Auftritt trainiert man den Umgang mit Lampenfieber“.  Wettbewerbe sind einerseits wichtig für die berufliche Reputation der Musiker und andererseits ergibt sich oft ein interessanter persönlicher Erfahrungsaustausch. Man trifft sehr viele gute Künstler, gerade aus den ehemaligen Sowjetstaaten und Asien, berichtet Ok-Young You, ständiges Üben ist daher wichtig. So ist nach dem Konzert auch immer vor dem Konzert, Urlaub mit Nichtstun gibt es für angehende Pianisten nicht. Sie besuchen im Sommer, wie auch Stefan Weiler, europaweit Workshops bei renommierten Lehrern, „Auch im Urlaub gehört Musik dazu, ich würde sie sonst sehr vermissen“.